📋 Normen & Fachregeln

Die wesentlichen ÖNORMEN und Fachregeln für Bauspenglerarbeiten in Österreich

⚙️ Materialien

Eigenschaften, Einsatzgebiete und Besonderheiten der gängigsten Spengler-Materialien

Edelstahl

1.4301 (A2) · 1.4404 (A4)
Wärmeausdehnung 1,6 mm/m·100K
⚠️ Korrosionsrisiken:
  • Lochfraß
  • Spaltkorrosion
  • Spannungsrisskorrosion

Chloridbelastung beachten, PREN-Wert als Orientierung

Aluminium

AlMg3 · AlMg1
Wärmeausdehnung 2,3 mm/m·100K
📝 Hinweis:

Hohe thermische Dehnung, kurze Feldlängen empfohlen

Titanzink

EN 988 · Zn-Ti
Wärmeausdehnung 2,2 mm/m·100K
📝 Hinweis:

Kriechverhalten beachten, Zwangsspannungen vermeiden

Kupfer

EN 1172 · Cu
Wärmeausdehnung 1,7 mm/m·100K
⚠️ Wichtig:

Kontaktkorrosion vermeiden, Wasserlauf beachten

Stahl (beschichtet)

EN 10169
Wärmeausdehnung 1,2 mm/m·100K
📝 Hinweis:

Schnittkanten schützen, Beschichtungsklasse nach EN 10169 beachten

Umgebungskategorien

<�🔴 Industriell
Kategorie Beschreibung
🟢 Ländlich Geringe Umweltbelastung, normale Feuchtigkeit
🟡 Urban Mittlere Belastung, Industrie, Verkehr
Hohe chemische Belastung, aggressive Luft
🔴 Maritim Salzbelastung durch Meeresnähe
🔴 Chlorid/Salzbelastet Starke Salzbelastung, Poolnähe, Streusalz

📐 Technik & Berechnung

Formeln, Prinzipien und wichtige Berechnungsgrundlagen

🌡️ Thermische Längenausdehnung

ΔL = α × L × ΔT / 100
α Ausdehnungskoeffizient [mm/m·100K]
L Elementlänge [m]
ΔT Temperaturdifferenz [K]
⚠️ Wichtig:
  • Genau ein Fixpunkt pro Element
  • Gleitpunkte frei beweglich
  • Dehnfuge bei hoher Längenänderung prüfen

💨 Windlastberechnung

w = qp × (cpe - cpi)
qp Geschwindigkeitsdruck [kN/m²]
cpe äußerer Formbeiwert
cpi innerer Formbeiwert

Zonen:

  • Innenfeld
  • Randzone
  • Eckzone

❄️ Schneelast

Sd = Sk × μ
Sd Schneelast [kN/m²]
Sk charakteristische Schneelast
μ Formbeiwert
⚠️ Risiken:
  • Schneeverwehung bei PV oder Aufbauten
  • Eislast bei Schneefang

🚿 Entwässerung

Q = r × A / 10000
Q Abfluss [l/s]
r Regenspende [l/s·ha]
A Fläche [m²]
Anforderungen:
  • Notentwässerung bei Attikadach
  • Überstauhöhe definieren
  • Freier schadloser Abfluss

🏗️ Planung & Qualitätssicherung

Systeme, Checklisten und Planungswerkzeuge

Dachsysteme

Stehfalz

Risiken: Quernaht, Fixpunktblockierung, geringe Neigung

Prüfen: Falzgeometrie, Haftabstände, Bewegungsreserve

Leiste

Risiken: Wasserführung im Leistenbereich

Kassette

Risiken: Fugenentwässerung, Gleitlager erforderlich

Profilblech

Risiken: Schwingung, Durchbiegung

Grenzen: L/200, L/250, L/300

Sandwichpaneel

Risiken: Schraubenraster, Schubtragfähigkeit, Dichtband

Attikaabdeckung

Risiken: Dehnfugen, kapillarbrechende Tropfkante

✅ Qualitätssicherung Checkliste

📖 Fachregel für Bauspenglerarbeiten

Die vollständige Fachregel der WKÖ – gegliedert nach Kapiteln

0. Vorbemerkung

Die Fachregel beinhaltet die Ausführungsmöglichkeiten von Bauspenglerarbeiten im gesamten Bundesgebiet. Die Ausführung der Leistungen wird mit gewerblichen handwerklichen Möglichkeiten vorausgesetzt.

1. Anwendungsbereich

Diese Fachregel wurde unter Berücksichtigung langjähriger Berufserfahrung erstellt und beinhaltet die allgemein anerkannten Regeln der Technik für Bauspengler.

2. Normative Verweisungen

Die Fachregel verweist auf folgende Normen:

  • ÖNORM B 2221 – Bauspenglerarbeiten Werkvertragsnorm
  • ÖNORM B 3521-1 – Planung und Ausführung Metall-Dacheindeckungen
  • ÖNORM B 3417 – Sicherheitsausstattung Dachflächen
  • ÖNORM B 3418 – Schneeschutzsysteme
  • EN 1991-1-4 – Eurocode Windlasten

3. Begriffe

Die Fachregel definiert folgende zentrale Begriffe:

Abdichtung

Wasserdichte Schicht auf Dachflächen zum Schutz eines Bauwerkes gegen Niederschlagswasser

Dehnungselement

Bauteil zur Aufnahme der temperaturbedingten Längenänderungen von Blechprofilen

Falz

Regensichere oder regendichte Verbindung von Blechen durch einfache oder mehrfache Kantungen

Fixpunkt

Punkt an dem das Blechelement unbeweglich befestigt ist

Gleitpunkt

Punkt der die thermische Bewegung zulässt

Hafte

Zubehörteil zur indirekten Befestigung bei Blecheindeckungen

Unterdach
Unterdach

Regensichere Schicht unter der Deckung

Hinterlüftung

Luftschicht zwischen Dämmung und Deckung zur Feuchtigkeitsableitung

9. Dehnungsausgleich

Die Aufnahme der thermischen Längenausdehnung erfolgt durch:

  • Dehnungselemente – vorgefertigte Bauteile
  • Freie Bewegungsaufnahme – ausreichende Feldlängen
  • Dilatationsfugen – konstruktive Trennungen
Grundregel: Pro Element nur EIN Fixpunkt – alle anderen Punkte müssen gleiten können!

15. Handwerklich gefertigte Fassadenbekleidungen

Fassadenbekleidungen aus Metall schützen die Außenwand und gestalten das Erscheinungsbild.

  • Hinterlüftete Fassade erforderlich
  • Unterkonstruktion aus Holz oder Metall
  • Bewegungsfugen planen

16. An- und Abschlüsse für Hartdeckungen

An- und Abschlüsse müssen regensicher ausgeführt werden.

  • Ortgangbleche
  • Wandanschlüsse
  • Kaminverkleidungen

17. Dachauslauf und Stutzen

Dachausläufe und Stutzen ermöglichen den Wasserabfluss durch die Dachhaut.

  • DN 100 bis DN 200
  • Mit Laubfang versehen
  • Frostsicher installieren

18. Dachfenster, Dachausstiege und Lichtkuppeln

Dachfenster, Lichtkuppeln und Dachausstiege erfordern sorgfältige Anschlüsse.

  • Dachfenster: Eindichtung mit Metalleinbauteilen
  • Lichtkuppeln: Aufsetzkranz aus Metall
  • Dachausstiege: Treppenausbildung erforderlich
  • Alle Anschlüsse mindestens 150 mm hoch

14. Metalldächer

Metalldächer umfassen alle Arten von Deckungen und Verkleidungen aus Metallblechen:

14.1 Stehfalzsysteme

  • Doppelstehfalz (klassisch)
  • Leichtstehfalz
  • Winkelfalz

14.2 Metallschindeln

  • Rechteck- und Segmentbögen
  • Strangpressprofile

14.3 Trapezprofile

  • Stahlträger mit aufgesetzten Blechen
  • Kaltgeformte Profile
Mindestdachneigungen:
  • Stehfalz: ≥ 3° (bei erhöhter Regensicherheit)
  • Schindeln: ≥ 25°
  • Trapez: nach Herstellerangabe

22. Abdeckprofile

Abdeckprofile dienen zum Abschluss von Mauerwerk, Geländern oder anderen Bauteilen.

  • Aluminium, Edelstahl oder Titanzink
  • Aufgeständert oder aufgelegt
  • Dehnfugen beachten

23. Dauerelastische Fugendichtmaterialien

Dauerelastische Dichtstoffe werden für Abdichtungen und Bewegungsfugen eingesetzt.

  • Silikon für Hochtemperaturbereiche
  • Polyurethan für Bewegungsfugen
  • MS-Polymer für Anschlüsse

24. An- und Abschlüsse für Abdichtungen

Übergänge zwischen Metall und Abdichtung müssen sorgfältig geplant werden.

  • Anschlusshöhe mindestens 150 mm
  • Klebeflansch mit Abdichtungsbahn
  • mechanische Befestigung

25. Stützkonstruktionen

Stützkonstruktionen tragen Blechverkleidungen und ermöglichen Hinterlüftung.

  • Tragfähigkeit nachweisen
  • Korrosionsschutz
  • Abstand max. 60 cm

21. Schneeschutzsysteme

Schneeschutzsysteme verhindern das unkontrollierte Abrutschen von Schneemassen:

Systemtypen:

  • Schneefangbalken – aufgelegt oder eingebunden
  • Schneefangrohre – ein- oder mehrreihig
  • Schneestoppen – für Metalldächer
  • Lamellen – für flache Dächer

Befestigung:

Die Befestigung erfolgt in die Tragstruktur (Sparren, Pfetten).

5. Unterkonstruktionen

Die Unterkonstruktion muss die Lasten aufnehmen und für ausreichende Belüftung sorgen.

  • Holzunterkonstruktion: Mindestdicke 24 mm
  • Metallunterkonstruktion: korrosionsgeschützt
  • Direkte Befestigung auf Beton mit geeigneten Dübeln

4. Materialanforderungen

Für Bauspenglerarbeiten zugelassene Materialien:

  • Titanzink: EN 988, Mindestdicke 0,65 mm
  • Aluminium: EN 485, Mindestdicke 0,70 mm
  • Kupfer: EN 1172, Mindestdicke 0,60 mm
  • Edelstahl: EN 10088, Mindestdicke 0,50 mm
  • Stahlblech: EN 10143, feuerverzinkt oder beschichtet

7. Trennlagen

Trennlagen verhindern direkten Kontakt zwischen ungleichen Materialien und ermöglichen Bewegungen.

  • Bei Kontaktkorrosionsgefahr
  • Zur Vermeidung von Fleckenbildung
  • Als Gleitschicht bei thermischen Bewegungen

8. Verbindungen

Verbindungen von Blechen und Profilen können mechanisch, klebend oder lötend ausgeführt werden.

  • Falzverbindungen: Stehfalz, Winkelfalz, Hennesee-Falz
  • Niete: Aluminium, Edelstahl
  • Lötverbindungen: Weichlot, Hartlot

6. Hinterlüftung

Eine ausreichende Hinterlüftung ist erforderlich bei:

  • Geneigten Dächern mit diffusionsoffener Deckung
  • Alle rückwärtig wasserempfindlichen Unterkonstruktionen
Mindest-Lüftungsquerschnitte: ≥ 2‰ der zugehörigen Dachfläche

11. Rohre

Fallrohre leiten das Niederschlagswasser von der Rinne zum Kanal oder in die Versickerung.

  • Materialien: Titanzink, Kupfer, Aluminium, Edelstahl, PVC
  • Dimensionierung nach EN 12056-3
  • Befestigung: Rohrschellen mit Abstand ≤ 2 m

12. Einhangstreifen, Haftstreifen

Einhangstreifen und Haftstreifen dienen zur Befestigung und Stabilisierung von Blechen im Randbereich.

  • Einhangstreifen: An der Traufe eingehängt
  • Haftstreifen: Seitliche Befestigung am Blech

13. Traufenverblechungen

Die Traufenverblechung schützt den Übergang zwischen Dachfläche und Wand oder Rinke.

  • Mindestens 100 mm breit
  • Ausreichende Hinterlüftung
  • Dehnfugen bei Längen über 8 m

10. Rinnen

Die Dachentwässerung umfasst Hängerinnen, Bodenrinnen und Rohrleitungen.

  • Rinnen müssen ein stetiges Gefälle von ≥ 2 mm/m aufweisen
  • Maximale Rinnenlänge: 12 m

20. Beschichtungen

Beschichtungen schützen Metallflächen vor Korrosion und ermöglichen verschiedene Farbgebungen.

  • Feuerverzinkung (Stahl)
  • Organische Beschichtungen (Polyester, PVDF)
  • Metallische Beschichtungen (Zink, Aluminium)

19. Mauer- und Attikaabdeckungen

Attikaabdeckungen schließen die Dachfläche nach oben ab.

  • Mindestens 50 mm Überstand
  • Kapillarbrechende Tropfkante
  • Dehnfugen bei Längen über 10 m

26. Fassadenverblechungen

Fassadenverblechungen aus Metall bieten Wetterschutz und Gestaltungsmöglichkeiten.

  • Hinterlüftete Konstruktion
  • Wärmedämmung integrierbar
  • Versetzte oder geschlossene Fugen

27. Metallfänge, Fangaufsätze

Metallfänge schützen Kamine und Lüftungsrohre vor Regen und Schnee.

  • Regenhut für Schornsteine
  • Staubkappen für Lüftungsrohre
  • Firsthauben

28. Spritzbleche

Spritzbleche verhindern Spritzwasser an exponierten Stellen.

  • Traufenbereich
  • Ortgänge
  • Fensterbänke

29. Taubenabwehr

Taubenabwehrsysteme verhindern das Nestern und Sitzen von Tauben auf Gebäudeteilen.

  • Spanndrähte
  • Netze
  • Elektronische Abschreckung

30. Absturzsicherungen

Absturzsicherungen sind erforderlich bei Absturzhöhen ≥ 3 m.

  • PSAgA (Persönliche Schutzausrüstung)
  • Ortganggeländer
  • Dachschutznetze
  • Anschlagpunkte nach ÖNORM B 3417

31. Wartung

Regelmäßige Wartung verlängert die Lebensdauer und erhält die Funktionsfähigkeit.

Wartungsintervalle:

  • Jährlich: Sichtkontrolle nach Winter
  • Nach Sturm: Überprüfung auf Beschädigungen
  • 5 Jahre: Professionelle Inspektion

Wartungsarbeiten:

  • Reinigung von Rinnen und Abläufen
  • Überprüfung der Befestigungen
  • Kontrolle von Abdichtungen
  • Überprüfung der Schneeschutzsysteme